Ordometaphysik

Wie der Name schon sagt: Metaphysik der Ordnung

Vermutlich ist es eines der dringendsten Erfordernisse unserer Zeit, wieder zu einer Metaphysik der Ordnung zu finden, die natürlich nicht schlicht die Mittelalterliche sein kann, sondern weit darüber hinausgehen und auf dem Erklärungsniveau der führendsten unserer rational denkenden modernen Menschen operieren muß. Es darf nicht so sein, daß der einfache Mann aus dem Volk eine Metaphysik der Ordnung vielleicht annehmen kann, weil sein Reflexionsniveau kein tieferes Hinterfragen ermöglicht, der gebildete Akademiker oder Wissenschaftler sich aber nur darüber entsetzen kann, wie es im Falle verflossener Ordometaphysiken vielleicht heute der Fall wäre.

Der Schritt von dem reinen rationalen, analytischen Prinzip, welches unser heutiges, noch recht mechanistisches oder auch chaotisches Weltbild prägt, zur Integration der b.a.w. nicht rational begründbaren menschlichen Vernunft und nicht in Regeln faßbaren Weisheit, die führende Geister aller uns bekannten Kulturen leitete, muß auf dem uns maximal möglichen Abstraktionsniveau getan werden.

Deshalb darf der Entwurf einer Metaphysik der Ordnung nicht an den gerade gemachten neusten wissenschaftlichen Resultaten kleben, die sich womöglich in wenigen Jahren revidieren oder relativieren, sondern muß in größerer Abstraktion auch den Mut zur Akzeptanz des noch nicht sicher zu Interpretierenden oder zur Präsentation mehrerer Möglichkeiten aufbringen. Selbstverständlich muß eine künftige Ordometaphysik transzendezoffen sein, allein, weil die Nichtexistenz der Transzendenz b.a.w. nicht zu beweisen scheint.
Wenn teils Probleme der physikalischen Theorien in den 4 Dimensionen Raum und Zeit nicht zu lösen sind, bedeutet das nicht zwingend die Existenz einer zur in Raum und Zeit existierenden Materie komplementären Komponente, die wie auch immer geartet, das ist oder enthält, was die Menschheit seit alters als Geist (nous) bezeichnet ?

Gleichzeitig muß der Respekt vor dem Schöpfungsganzen in seiner immensen Komplexität und Interdependenz, die uns täglich mit jeder neuen wissenschaftlichen Ergebnis klarer wird, zur Gewißheit führen, daß intelligente, ordnende Kräfte dieses Ganze nicht nur einst ersannen und schufen, sondern erhalten und beeinflussen, vielleicht gar in einem für uns unfassbaren teleologischen Sinne, und der Mensch ein bestimmter Teil auf einer bestimmten Ebene des Ganzen ist, aber aufgrund seines beschränkten Wissens, seiner begrenzten Erkenntnisfähigkeit und begrenzten Macht über die Größenordnungen oberhalb seiner selbst, nicht notwendiger Weise die "Krone der Schöpfung", was vielleicht einer der Lieblingsvorstellungen des Menschen ist, nichtsdestotrotz aber wohl einer seiner größten Fehleinschätzungen oder Verblendungen.

Jegliches Seiende besitzt seine eigene Maßstäblichkeit, die es ihm erlaubt, seine eigene Ebene zumindest in Teilen zu betrachten und vielleicht noch benachbarte, aber zwingender Weise nicht alle. Wir können heute nicht mehr umhin, die Möglichkeit weiteren intelligenten Lebens im Universum anzuerkennen, ´ ja vielleicht angesichts defensiv geschätzter 1022 Sonnensysteme in diesem Universum sogar dessen Wahrscheinlichkeit, zumal es bekanntermaßen gewissen Lebensformen wie Viren und Sporen möglich scheint, durch den Weltraum zu reisen ohne Schaden zu nehmen, um sich ggf. an einem geeigneten Ort niederzulassen und möglicherweise eine biologische Evolution anzustoßen.

Wir müssen die Frage stellen und zu beantworten versuchen, in wiefern das biologische Leben möglicherweise nur die Repräsentation von Bewußtsein ist, dieses aber nicht verursacht, sondern eher Träger und Ausdrucksmedium ist.

Nehmen wir in Allgemeinheit an, dass alles Seiende zwei Hauptaspekte aufweist: das Wahrnehmungsvermögen und das Ausdrucksvermögen, und sich diese beiden in vielen, ja wahrscheinlich allen Strukturen finden, denen der Mensch bislang begegnet ist, wenn auch beispielsweise ein Atom nur auf sehr wenige Dinge reagieren kann, hauptsächlich phsyikalische Bedingungen.
Wir müssen forschen und die Frage zu beantworten versuchen, was Bewußtsein ist.
Handelt es sich bei Bewußtsein nicht letztendlich um die Menge der Dinge aller Ebenen ihres Seins, auf die eine Entität reagieren kann und die Art und Weise wie sie das tut ?

Und ist Bewußtsein dann nicht ein allgemeingültiges Prinzip, das alles Seiende durchzieht ?

Wenn es neben dem Prinzip Materie noch eines namens "Geist" gibt, und ein transzendenzoffener Ansatz würde gerade diese Möglichkeit bedeuten, ist dann eventuell Bewußtsein genau das, was in der Interaktion dieser beiden Pole, Geist und Materie entsteht ?

Folgt daraus die Dimensionierung des Seienden in "Unterräume" wie Raumzeit, Bewußtsein (als Interaktionsdimension) und Transzeudenz - wie es beispiesweise der noch wenig rezipierte und zugegeben sehr sperrige Ansatz Burkhard Heims nachzuweisen versucht ?
Sind dann vielleicht Planeten, Sonnen und gar Gestirnskonstellationen auch Körper, zu denen ein Bewußtsein gehört, von dem wir annehmen müßten, daß es um mindestens eine Größenordnung komplexer ist als das menschliche ?
Fragen wir uns doch spaßeshalber einmal, so weit wir eine Ahnung davon gewinnen können, um wieviel Wahrnehmungsfähigkeit und Ausdrucksfähigkeit ein Mensch über ein Bakterium hinausgeht und versuchen uns vorzustellen, wir die Basisqualifikation eines Wesens aussehen müßte, dessen Körper ein Planet ist: Säntliche Naturwissenschaften von der Physik über die Chemie, Biologie in weit größerer Tiefe als wir uns heute vorstellen können, bis hin zur Kosmologie, Inter- und supraplanetare Disziplinen, Mathematik in ziemlich unvorstellbarem Umfang, Soziologie verschiedener Spezies, Naturreiche und interspezielle sowie inter-Naturreich-Sozilogie, Terraforming und viele uns noch kaum vorstellbare Disziplinen ...
Science Fiction ? Nein: eher Teil einer weit umfassenderen, bereits seit unvorstellbaren Zeiten angewandten Wissenschaft.


Wären wir dann nicht mehr die Krone der Schöpfung sondern ein Teil einer Ebene dersenben, müssten unsere Relativität anerkennen und uns fragen, ob Ordnungskräfte der uns umfassenden Ebene den Rahmen für unser Handeln als Mensch definieren ? Würde die Menschheit sich dann als eines unter mehreren Naturreichen - die aufgrund von Einschränkungen unserer Wahrnehmungs- und Erkenntnisfähigkeit nicht notwendiger Weise alle schon bekannt sind - verstehen lernen, die einander dienstleistend verpflichtet sind, um als Teile eines übergeordneten Plans dessen Gelingen zu ermöglichen ?
Ist am Ende das Weltganze, das Universum, oder falls es hinter dem materiellen Universum noch ein dieses einbettende, nicht mehr nur materielles Ganzes, ein "ALLES" gibt, nicht ein in unvorstellbarer hierarchischer Ordnung zusammenhängendes Gefüge und ist "Gott" ein hierarchisches Phänomen, das jeweils die Ganzheit einer Ebene für ihre Bestandteile bezeichnet, die den Lebensraum, die Gesetzmäßigkeiten, die Lebensenergie, Möglichkeiten und Gelegenheiten, Herausforderungen und Wachstumschancen gibt ?
Gibt es vielleicht eine Evolution der Bestandteile jeder Ebene, sich über unvorstellbare Zeiträume der nächsthöheren anzunähern und irgendwann in diese überzugehen und dort nächste, dortige Evolution zu durchlaufen ?
Ist vielleicht die Fähigkeit, eine Evolution seiner Bestandteile zu planen und durchzuführen, der Entwicklungsprozeß und Seinszweck auf der jeweilig eigenen Ebene und dieses ein allgemeingültiges Prinzip ?

Jedenfalls sollten die Zeitalter geo- und anthropozentrischer Religion und Philosophie für den Rest der Menschheitsgeschichte vorbei sein ...
Wir sollten endlich nicht nur transzendenzoffen Philosophie und Wissenschaft betreiben sondern auch für die Möglichkeit, besser gesagt Wahrscheinlichkeit, eines nebengeordneten ähnlichen Intelligenz und übergeordneter Intelligenz offen sein.
Unsere bisherige Philosophie und Religion, egal welcher Couleur, ist nichts weiter als ein kleiner Spezialfall eines größeren, universellen Verständnisses.
Ich habe selbst einmal in einer Vorlesung einen älteren Philosophie-Professor ernsthaft die Frage stellen erlebt "Gibt es eigentlich außereuropäische Philosophie ??" die er auch sogleich mit Händen und Füßen und aller nur halbwegs brauchbaren Ignoranz zu verneinen suchte.
Muß die Frage nicht vielmehr lauten: "ist unsere Philosophie allgemein und weitsichtig genug, um auch noch in tausend und zehntausend Jahren als speziesgebundener Spezialfall eines universelleren Wissens Bestand haben zu können ?

Stefan Rolf Paff, im Mai 2014

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